Zukunft der Banken

4.2. Machtverschiebungen

In den letzten 20 Jahren haben Banken ihre Veränderungskompetenz verloren. Diese Fähigkeit war früher vor allem in den Org-/IT-Bereichen und Personalabteilungen angesiedelt und verschwand, als beide Mitte der 90er Jahre ihre einst mächtigen Positionen an andere Bereiche abgaben.


Veränderungskompetenz war da — aber nicht nötig

In den 80ern waren Banken sehr attraktive Arbeitgeber mit großen finanziellen Möglichkeiten. Die Branche war offen für umfangreiche und innovative Personalentwicklungsthemen und hat gut ausgebildete Personalentwickler für sich gewinnen können. Zur gleichen Zeit entstanden die Org-/IT-Bereiche. Organisationsabteilungen waren bereits seit dem beginnenden 20. Jahrhundert die natürlichen Veränderungsmotoren von Banken. Sie wurden nun um die IT erweitert, die ein wichtiger Faktor für die Zukunft der Branche war. In diesem Zug wurden nicht nur IT-affine Vorstände und Bereichsleiter, sondern auch eine Vielzahl junger Mathematiker und Physiker eingestellt.

Banken waren zu dieser Zeit daran gewöhnt, kontinuierlich auf Veränderungen zu reagieren und ihr Geschäftsmodell anzupassen. Entsprechend haben sie gezielt wertvolles Projektleitungs-Know-how in ihren Instituten verankert. Die Branche war damals durch und durch erfolgreich. Es wurden viele Mitarbeiter eingestellt, hohe Gehälter gezahlt und große, teure Gebäude errichtet. Doch obwohl die Bankenwelt  sich hätte Änderungen leisten können, waren diese nicht nötig. Denn sie durchlebte etliche Jahre ohne große Veränderungen oder Herausforderungen.


Die Organisationsabteilungen verlieren

Die Veränderungskompetenz war nicht mehr wichtig und wurde schließlich von vermeintlich bedeutenderen Themen abgelöst. „Mächtig ist,
wer im Trend liegt.“
Zuerst waren es die Controlling-Abteilungen, die branchenweit geschaffen wurden und zumindest teilweise Veränderungsprojekte antrieben. Diese verloren ihre Machtposition wiederum während der Einführung des Internets. Die Unternehmenskommunikation war nun der Innovationstreiber der Bankenwelt und übernahm die damit verknüpften Projekte und Budgets. Anschließend folgte die mächtige Phase des Vertriebs. Alle Projektbudgets flossen nun in diesen Bereich, der unabhängig von der Organisationsabteilung Veränderungsprojekte durchführte und Beratungsfirmen engagierte.


Qualifiziertes Personal wechselt in die Industrie

Die Org-/IT-Abteilungen haben so Stück für Stück sowohl ihre Macht als auch Veränderungsaufgaben, -projekte und -budgets an andere Bereiche verloren. Zudem liegt der Fokus ihrer Projekte in den letzten Jahren fast ausschließlich auf der Regulatorik. Aus diesen Gründen sind sie für Mitarbeiter nicht mehr attraktiv. Viele Projekt- und Bereichsleiter sind deswegen in die Industrie gewechselt. „Weniger spannende Themen,
weniger hochqualifiziertes Personal.“
Da die IT in die Rechenzentren verlagert und nun von Verbänden und Gremien gesteuert wurde, verließ auch ein Großteil der IT-Fachkräfte die Banken, um sich in anderen Branchen wieder interessanten Projekten widmen zu können. Diejenigen, die blieben, haben sich angepasst und sind vorrangig mit pflegenden Tätigkeiten beschäftigt. Mittlerweile sind ihre Kenntnisse nicht mehr auf dem aktuellen Stand,  sodass sie beispielsweise keine IT-Strategie für eine moderne Bank erstellen könnten.

Ähnlich erging es den Personalabteilungen. Sie befassen sich durch den Personalabbau heute hauptsächlich mit juristischen und verwaltenden Aufgaben, während Personalentwicklung nicht weiter vorangetrieben wird. Nicht wenige Personaler haben Positionen beispielsweise in der Industrie oder bei Energieversorgern angenommen.


Veränderungskompetenz: Der Schlüssel zur Zukunft

Banken und Sparkassen müssen heute einiges an Zeit und Energie investieren, um ihre Veränderungskompetenz wiederaufzubauen. Denn dafür braucht es junge und gut ausgebildete Mitarbeiter, die jedoch moderne Unternehmen und Arbeitsumgebungen bevorzugen. Davon abgesehen wird in vielen Instituten noch immer Personal abgebaut, und neue Stellen werden nur selten bewilligt.

Alles in allem macht der Verlust ihrer Veränderungskompetenz die aktuelle Situation erst zu einer ernstzunehmenden Herausforderung für die Bankenwelt, da die Fähigkeit, sich schnell zu wandeln heute zum Schlüssel für ihre Zukunft geworden ist.


Was Banken aus ihrer Geschichte lernen können

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In der organisatorischen Steinzeit

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