Zukunft der Banken

7.3.1. Blockchain

Ein Beitrag zum Thema Blockchain von Alexander Pavlov, Procedera Consult GmbH


Die Begriffe Blockchain und Bitcoin werden von vielen Bankern synonym benutzt. Dabei verhalten sich diese zueinander ungefähr wie das Internet zur E-Mail. Der Bitcoin ist nämlich nur einer der vielen Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie.

Zudem wissen die meisten Banken noch immer nicht, warum sie sich so schnell wie möglich für Blockchain interessieren sollten. Der Glaube, dass diese nur eine neue Lösung für die großen Player der Bankenwelt ist, ist ein Irrtum. Die Technologie bietet unabhängig von der Größe des eigenen Instituts jedem die Möglichkeit, Kosten zu sparen und das Kundenvertrauen zu stärken.


Was also ist Blockchain?

Blockchain wird als die nächste Version des Internets (nach Web 1.0 und Web 2.0) betrachtet und deswegen dem Web 3.0 zugeordnet. Die Technologie basiert auf drei Säulen:

  • Kryptographie: Daten werden bei der Übertragung verschlüsselt, sodass sie sicher und nur sehr schwer zu manipulieren sind.
  • P2P-Architektur (Peer-to-Peer): Es gibt keinen zentralen Server und somit keinen zentralen Speicher. 
    Alle Informationen über die Transaktionen in der Blockchain sind für jeden Teilnehmer zugänglich.
  • Spieltheorie: Es wird ein Anreizsystem geschaffen, das zum einen das Erzeugen der einzelnen Blöcke der Blockchain attraktiv macht und zum anderen für alle Teilnehmer vorteilhaft ist.

Eine Blockchain ist eine Kette von Informationsblöcken, die aneinander gehängt werden. Jede neue Transaktion, die in der Blockchain getätigt wird, wird in einem neuen Block gespeichert. Die „Chain“ ist die Verbindung zwischen den einzelnen Blöcken. Durch diesen Prozess werden alle getätigten Geschäftsvorfälle transparent, da jeder neue Informationsblock alle vorherigen Aktionen enthält.

Durch die doppelte Verschlüsselung der Daten (Public und Private Key) sind die Informationen zwar für jeden im System sichtbar, jedoch können sie mit dem aktuellen Stand der Technik nicht verändert werden. Außerdem sind Nutzer im System anonym: Es ist nicht nachvollziehbar, wer hinter den jeweiligen Transaktionen steht. Ein Austritt aus dieser Anonymität ist nur möglich, wenn der Kreislauf der Blockchain verlassen wird, beispielsweise durch den Tausch von Bitcoins in Euro.

Um eine Blockchain kontinuierlich weiterzuführen, das heißt, immer wieder neue Informationsblöcke zu erstellen, wird das so genannte Mining verwendet. In diesem Verfahren werden komplexe mathematische Rechenoperationen durchgeführt, die zur Erstellung eines neuen Blocks notwendig sind. Die Schwierigkeit der Rechenaufgaben steigert sich fortwährend, weshalb es zunehmend mehr Rechenleistung bedarf, um den nächsten Informationsblock zu „bauen“.

Die Belohnung für das Mining (beispielsweise Bitcoins für den Anwendungsfall Bitcoin) erhält derjenige, der die mathematischen Probleme am schnellsten gelöst hat. Der neue Block wird erst dann ins System eingetragen, wenn ihn mehr als die Hälfte aller Teilnehmer verifiziert haben. Aus diesem Grund ist eine Manipulation in der Blockchain nur unter sehr außergewöhnlichen Umständen möglich.

Das verteilte System der Blockchain ermöglicht zum ersten Mal eine „Daten-Demokratie“ und löst die bis jetzt herrschende „Daten-Monarchie“ ab, in der verschiedene Plattformen die Rechte über die in ihnen enthaltenen Daten autoritär besitzen.


Was ist Bitcoin?

Die Digitalwährung Bitcoin ist der vielleicht bekannteste Anwendungsfall der Blockchain-Technologie. Den Platz der Banken nimmt in diesem Fall ein P2P-Netzwerk mit eigenen Regeln ein, das die Transaktionen durch verschiedene Protokolle validiert. Diese Regeln bestimmen zudem die Verhältnisse zwischen den Teilnehmern des Netzwerks und schaffen das Anreizsystem, welches das Mining von neuen Bitcoins attraktiv macht. Das heißt, wer den Prozess der Erstellung von neuen Blöcken im System unterstützt, bekommt Bitcoins als Aufwandsentschädigung.

Die Anzahl aller Bitcoins ist „by design“ festgelegt und beträgt 21 Millionen. Zum 13.01.2018 wurden bereits 16,8 Millionen Bitcoins erstellt — was ungefähr 80% aller Bitcoins entspricht. Bis zu diesem Zeitpunkt erhielten Miner 12,5 Bitcoins für jeden neu erstellten Block in der Blockchain. Schätzungsweise wird diese Zahl spätestens in den nächsten zwei Jahren auf 6,25 Bitcoins pro Block sinken.

Zusammengefasst entsteht der Wert dieser Kryptowährung durch zwei Faktoren:

  • Neue Bitcoins zu erstellen wird kontinuierlich aufwändiger.
  • Die maximale Anzahl an Bitcoins ist fix.

Negative Einflussfaktoren können durch Eingriffe von Staaten und Institutionen entstehen sowie durch sinkendes Vertrauen bei den Marktteilnehmern.

Neben dem Bitcoin gibt es zahlreiche weitere Kryptowährungen, die über eigene Regel- und Anreizsysteme verfügen. Diese beeinflussen sowohl den Wert als auch die Anwendung der jeweiligen digitalen Währung.


Was sind Smart Contracts?

Ein Smart Contract ist ein Computerprotokoll, das auf einer Blockchain operiert und die Regeln enthält, auf die sich die Parteien geeinigt haben. Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, wird ein Vertrag (Contract) automatisch ausgeführt.

Der Begriff „Smart Contract“ sollte nicht wortwörtlich verstanden werden. Denn diese Vertragsart ist:

  • nur so smart wie ihr von den Programmierern geschriebener Code
  • noch nicht identisch mit einem rechtskräftigen Vertrag — obwohl sie über das nötige Potenzial verfügt.

Smart Contracts reduzieren einen Großteil der Transaktionskosten überall dort, wo eine Abstimmung zwischen verschiedenen Akteuren benötigt wird. Da diese Vorgänge von einem Netzwerk von Rechnern automatisch ausgeführt werden, sind Korruption oder eine nachträgliche Abänderung von Verträgen mathematisch ausgeschlossen.

Die Idee von „sich selbst ausführenden Verträgen“ existiert an sich seit langem. Die vielleicht bekannteste klassische Anwendung eines Smart Contacts ist der Verkaufsautomat. Werfen wir den notwendigen Betrag ein, erhalten wir ein Getränk automatisch in wenigen Sekunden. Und das rund um die Uhr. Die Einführung von Verkaufsautomaten reduzierte einerseits massiv Kosten und erhöhte andererseits die Qualität, das heißt die Zugänglichkeit verschiedener Leistungen.

Zusammenfassend bietet ein Smart Contract auf der Blockchain Folgendes:

  • Automatisierung vertraglich vereinbarter Abläufe
  • Bestmögliche Sicherheit
  • Verringerte Abhängigkeit von Mittelsmännern
  • Geringe Transaktionskosten

Der Komplexität von Smart Contracts sind fast keine Grenzen gesetzt: So sind relativ einfache Transaktionen möglich, wie der Austausch von Bitcoins zwischen zwei Parteien. Aber auch umfangreichere Anwendungen sind denkbar, wie beispielsweise eine DAO (Distributed Autonomous Organization), in der fahrerlose Autos automatisch ihre Steuern und Mauten bezahlen und die notwendige Elektroenergie selbstständig erwerben.


Wird Blockchain die Bankenwelt abschaffen?

Um diese Frage zu beantworten, ist es zunächst wichtig zu betrachten, welche Vorteile eine Bank ihren Kunden im Allgemeinen bietet.

Aus meiner Sicht bietet eine Bank unter anderem folgenden Mehrwert:

  • Beratung beim Anlegen und Sparen
  • Vorfinanzierung großer Projekte
  • Sicherheit
  • Zahlungsverkehr 

Die Blockchain-Technologie bietet enormes Potenzial für die Bereiche Zahlungsverkehr und Sicherheit. Es ist sogar denkbar, dass für diese Themen zukünftig keine zentralisierten Plattformen notwendig sein werden. Banken würden in diesem Fall nicht mehr für die komplette IT-Infrastruktur aufkommen müssen, die den Zahlungsverkehr abwickelt und die Sicherheit unterstützt. Denn wie bereits beschrieben, werden in einer Blockchain die Kosten und Nutzen auf alle Transaktionsteilnehmer durch ein entsprechendes Regelwerk verteilt.

Zwar könnten FinTechs und BigTechs den blockchain-basierten Zahlungsverkehr schneller umsetzen, allerdings können sie ihren Kunden in den Bereichen Regulatorik, Fachberatung und teils auch in der Vorfinanzierung großer Projekte nicht den gleichen Leistungsumfang wie klassische Banken bieten.

Eine strategische Vorgehensweise für einen unternehmerisch handelnden Bankvorstand würde somit folgende Punkte enthalten:

  • In blockchain-basierte IT-Architekturen investieren
  • Beratung überdenken und zum Wettbewerbsvorteil gegenüber Nicht-Banken ausbauen
  • Regulatorik und Datenschutz optimal umsetzen

Blockchain und Smart Contracts sind eine große Chance für die Bankenwelt

Wer sich mit Bankern unterhält oder die Finanznachrichten liest, verbleibt meist mit dem Gefühl, dass Blockchain eine Gefahr für etablierte Institute wäre.

Im Folgenden möchte ich anhand von zwei Anwendungsfällen zeigen, wie Blockchains nicht nur keine Gefahr für Banken sein können, sondern ihnen im Gegenteil sogar helfen können, sich strategisch zu positionieren, Kosten zu sparen und effizienter zu agieren. 

Der erste Anwendungsfall betrifft den Zahlungsverkehr. Bis jetzt wurden Werte (Silber, Gold, Bargeld, Wertpapiere) Banken zur Aufbewahrung gegeben, weil sie sicher sind und Kunden grundsätzlich jederzeit Zugriff auf ihre Werte haben. Der Eigentümer muss sich mit Hilfe eines Bankmitarbeiters oder per Online-Banking legitimieren.

Kryptowährungen wie Bitcoin sind nur so lange sicher, wie kein Unbefugter über den eigenen privaten Schlüssel verfügt. Doch wie und wo hält man diesen geheim? Auf einem Blatt Papier? Oder auf dem Rechner? Und wer schützt vor Missbrauch oder Diebstahl?

An dieser Stelle werden Kreditkarte und Online-Banking nötig: Eine Bank kann mit diesen so als Mittelsmann den Zugriff durch eine Legitimationsschranke schützen und Beträge im Falle eines Missbrauchs erstatten (wie dies heute bei Kreditkarten üblich ist).

Banken können ihren Kunden zudem auch Sicherheit in technischen Punkten bieten, wie beispielsweise dem Stand der IT-Architektur oder Schnittstellen zu anderen Banking-Apps. Schleicht sich beispielsweise bei der Überweisung von Bitcoins ein Tippfehler ein, ist das eigene Geld nicht verloren, sondern kann zurückgefordert werden. Dieser Vorteil kommt besonders im E-Commerce zum Tragen, wenn eine Ware nicht ordnungsgemäß geliefert wurde oder nicht der vom Kunden erwarteten Qualität entspricht.

Der zweite Anwendungsfall ist im Bereich der Handelsplattformen angesiedelt. Mit der Umsetzung von MiFID wurde die Möglichkeit geschaffen, auch außerhalb der Börsen MTFs (multilaterale Handelssysteme) zu betreiben. Diese bringen aus Sicht der Regulatorik viele Vorteile mit sich, weil Verträge dort transparent sind und wenig Raum für Diskussionen bieten.

Allerdings ist das Betreiben von MTFs mit sehr hohen Kosten verbunden – sowohl seitens der Finanzaufsicht als auch für die jeweiligen Marktteilnehmer. Die Akteure können MTFs auf verschiedene Weisen betreiben und müssen dabei alle Vorschriften von MiFID (und jetzt auch MiFID II) bei jeder Transaktion von jedem Teilnehmer berücksichtigen.

Eines der größten Vorteile der Blockchain-Technologie ist höchstmögliche Transparenz zu einem Bruchteil der Kosten. Die einzige Bedingung ist die Abstimmung von einheitlichen Regeln zwischen den jeweiligen Aufsichtsbehörden und den Marktteilnehmern. Dieser Punkt wird bis jetzt jedoch nur von einigen wenigen Mitarbeitern in Instituten erkannt, und es ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig, damit die nötigen Ressourcen bereitgestellt werden.

Die verschiedenen Transaktionen, die zwischen zwei Parteien durchgeführt werden, müssten in der Blockchain zusammen mit den vorher von allen Teilnehmern abgestimmten „Vertragsregeln“ abgelegt werden. Und da Sicherheit und Nachvollziehbarkeit in der Natur der dezentralisierten Blockchain liegen, sind diese Transaktionen nur unter ganz speziellen Umständen manipulierbar. Grund dafür ist, dass Blockchains dezentralisiert sind, das heißt, die sowieso geringeren Transaktionskosten können unter den Akteuren aufgeteilt werden, indem die dazu notwendigen Anreizmechanismen geschaffen werden.

Natürlich gibt es auch bei Blockchain viele Herausforderungen, die noch gemeistert werden müssen, wie die Skalierbarkeit und die Sicherheit der IT-Architektur. Heute ist aber eines schon sicher: Diese Technologie hat sich etabliert und ist nicht mehr wegzudenken. Die Kreditinstitute, die sie richtig und schnell genug umsetzen, werden zukünftig davon profitieren.


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